Die Schweiz ist seit jeher für ihre Uhrenherstellung bekannt. Schweizer Uhren gelten als solide, präzise und auf der Höhe der Zeit. Die heutige Zeit allerdings wird erschüttert von Krisen und Kriegen. Aufstrebende Länder wie China oder Indien erobern sich mit ihren Produkten neue Märkte. In diesem Artikel erfahrt ihr einiges über den aktuellen Wandel der Schweizer Uhrenbranche und wie die Führungsetagen der Uhrenindustrie darauf reagieren.
Veränderte Exportsituation für Schweizer Uhren
Die Uhrenhersteller der Schweiz haben im Jahr 2025 Uhren mit einem Gesamtwert von 25,6 Milliarden Franken ins Ausland verkauft. So geht es aus den Informationen des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) und des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) hervor. Während im Jahr 2023 ein neuer Rekord der Uhrenexporte erreicht wurde, brachte bereits das Jahr 2024 ein Minus der Exporte um 2,8 Prozent mit sich. Dieser Trend hat sich abgeflacht: 2025 sanken die Exporte der Uhrenbranche um 1,7 Prozent ab.
Der Grund wird in anspruchsvollen Marktbedingungen gesehen, wie der Uhrenverband verlauten liess. Vor allem China und Hongkong fallen ins Gewicht, denn hier sind die Exporte in den Jahren 2024 und 2025 um mehr als ein Drittel eingebrochen. Der Goldpreis und die Schweizer Währung verzeichneten Rekordwerte, was die Käufe im Ausland verteuerte und so unwahrscheinlicher machte.
Im Dezember 2025 allerdings stiegen die Uhrenexporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,3 Prozent auf 2,10 Milliarden Franken. Der Grund sind vor allem die Verkaufserfolge in den USA. Die Diskussion um US-amerikanische Zölle sind allerdings noch nicht verstummt, sodass auch hier möglicherweise (weitere) Probleme entstehen könnten. Für China ist derzeit keine Verbesserung in Sicht.
Fachgeschäfte vor Ort sind erfolgreicher als der Online-Handel
Schon Ende 2025 zeigten sich weitere Trends in der Herstellung und im Vertrieb von der beliebten Zeitmesser aus der Alpenrepublik. Der Online-Handel spielte natürlich auch hier eine zunehmende Rolle, allerdings bleibt der stationäre Handel die bedeutendste Stütze für den Absatz. Vor allem Multimarken-Geschäfte wie Au Bijou sind weiterhin am meisten gefragt, wobei die Uhrenhersteller gleichzeitig in eigene Boutiquen investieren. Die direkte Beratung vom versierten Uhrmacher und Spezialisten scheint hier immer noch eine wichtige Rolle zu spielen. Im Geschäft können Uhrenfans die Uhr anlegen, von allen Seiten anschauen und ohne Umschweife mit anderen Marken vergleichen.
In vielen Branchen ist das Internet als Absatzkanal die wichtigste Säule und gilt zunehmend als Garant für steigende Einnahmen und niederschwelliges Einkaufen. Was die Schweizer Traditionsuhr angeht, bleibt das Fachgeschäft des Vertrauens nach wie vor beliebter. Mehr als 60 Prozent aller Uhrenkund*innen kaufen stationär, vor allem die älteren Generationen wissen das breite Angebot der Multimarken-Geschäfte zu schätzen (46 Prozent). Bei Jüngeren ist das Potenzial noch ausbaufähig (27 Prozent), worin eine Chance für die Zukunft gesehen wird. Wie oben bereits angedeutet, schätzen die Uhrenfans das Einkaufserlebnis im Geschäft. Rund 51 Prozent der Käufer*innen bezeichnen das Anprobieren vor Ort als entscheidenden Grund für den Gang ins Uhrenfachgeschäft. Etwa 44 Prozent bauen auf die Beratung im stationären Handel und den persönlichen Kontakt.
Neue Uhrentrends der Generation Z
Die Generation Z, also die Geburtenjahrgänge zwischen 1996 und 2010, schaffen ihre ganz eigenen Uhrentrends. Als Digital Natives, die als erste Generation vollständig digital sozialisiert sind, schätzen sie das Internet, ihr Smartphone und die Sozialen Medien. Die Jüngeren kennen dabei klare Grenzen, was sich im Wunsch nach eine ausgewogenen Work-Life-Balance ausdrückt. Sie kaufen zunehmend gebrauchte Uhren.
Hersteller und Händler reagieren darauf mit einem wachsenden Angebot von Instandsetzungen älterer Uhren und dem entsprechenden Second-Hand-Handel. Auch die jüngeren Käufer*innen schätzen die Atmosphäre in einem Fachgeschäft wie Au Bijou und damit einhergehende Markenerlebnis (35 Prozent). Nur 30 Prozent kaufen ihre Uhren online. Dies wird nach Schätzungen aus der Uhrenbranche wahrscheinlich auch so bleiben. Allerdings wünscht sich die Gen Z digitale Tools als Aspekt des stationären Handels (beispielsweise durch Click-and-Collect-Services oder Online-Termine).
Generation Z: Zahlen und Fakten
Die jüngeren Generationen wollen zwar weniger traditionelle Uhren, zeigen aber weiterhin ein starkes Interesse am Kauf solcher Modelle (53 Prozent). Ähnlich hoch ist das Interesse an Smartwatches bei jungen Menschen (54 Prozent). Besonders auffällig ist das Wachstum im Bereich gebrauchter Uhren: 40 Prozent der Generation Z planen, innerhalb eines Jahres eine Second-Hand-Uhr zu erwerben – doppelt so viele wie bei den Babyboomern (20 Prozent). Die Generation Z prägt den Uhrenhandel neu, wobei für sie vor allem Erschwinglichkeit, Einzigartigkeit und Nachhaltigkeit entscheidende Faktoren sind. Der Grund ist ihr Interesse an sinnstiftendem Kaufverhalten. Der Handel mit gebrauchten Uhren ist kein Nischentrend mehr, sondern entwickelt sich zu einem wichtigen Wachstumstreiber.
Der Second-Hand-Markt hat sich über alle Altersgruppen hinweg etabliert. Kunden schätzen dabei besonders die bezahlbaren Preise (53 Prozent) und die Möglichkeit, exklusive oder nicht mehr erhältliche Modelle zu finden (36 Prozent). Für Händler wird dieser Markt immer attraktiver und wird zunehmend sowohl online als auch in physischen Geschäften integriert. So wird der Sekundärmarkt zu einem bedeutenden Einstiegspunkt für neue Kundschaft und ergänzt das Angebot des Primärmarkts.
Lies zu diesem Thema gerne auch meinen Artikel: Nachhaltig, einzigartig, vererbbar: Gebrauchte Sammleruhren bei uhrenshop.ch.
